SLOG2 auf der a7: Der perfekte Color Grading Workflow für gute Ergebnisse in 5 Minuten!

Video-Bearbeitung mit SLOG2 leichtgemacht

Das Arbeiten mit dem SLOG2 Bildprofil von SONY kann anfangs frustrierend sein, muss es aber nicht. Hier zeige ich, wie ihr schnell zufriedenstellende Resultate erreicht, ohne Euch zu sehr mit den technischen Details zu beschäftigen. Außerdem verrate ich Euch, wo Ihr sehr gute Gratis LUTs für das SLOG2 Bildprofil findet. Hinweis: Ihr solltet zum Verständnis dieses Artikels verstehen, wie man ein Histogramm in der Bild- / oder Videobearbeitung liest. Zusätzlich solltet Ihr schon etwas mit dem Lumetri-Farbe-Werkzeug von Premiere Pro CC vertraut sein.

Du weißt schon wie du mit LUTs und SLOG2 umgehst? Dann kommst du hier direkt zu den Gratis LUTs.

Als ich mir meine sony α7RII Mitte 2016 gekauft habe, habe ich fast ausschließlich im normalen Modus gefilmt, ohne ein Bildprofil zu nutzen. Das lag daran, dass ich jedes Mal, wenn ich auf Picture Profile 7 (SLOG2) umgeschaltet habe, am PC nicht so recht wusste, wie ich mit dem Video-Material umgehen sollte.

Ich habe mir deswegen viele Videos zum Thema SLOG2 Videobearbeitung angesehen. Dort wurde sehr viel erklärt, auch über die Funktionsweise von SLOG2 und wie die Logarithmische Kurve des Bildprofils aussieht. Jetzt war ich zwar ein bisschen schlauer, aber das Wesentliche habe ich eigentlich schon davor gewusst:

  • SLOG2 zieht die Lichter herunter und die Tiefen hoch, ohne sie dabei besonders zu komprimieren (Unterschied zu Flat Profiles wie bspw. CineLike D bei der GH4); Es entsteht ein kontrastarmes Bild
  • Der maximale dynamische Umfang beträgt ca. 14 Blendenstufen
  • So bleiben viel mehr Informationen im Bild, es gibt kaum schwarze oder weiße Stellen
  • Es gibt (fast) keine harten Übergänge von hell zu weiß (ausgebrannte Stellen)

Doch wie gehe ich mit diesem anscheinend sehr mächtigen Bildprofil in der Nachbearbeitung um?

Beim Dreh

Meine ersten SLOG2 Aufnahmen waren sehr enttäuschend. Ich habe so belichtet, dass der Belichtungsmesser der Kamera +-0 gezeigt hat und mein ISO auf 800 (Minimum ISO für SLOG2 / PP7) gelassen. Optimalerweise benutzt man ND Filter um auf eine Verschlussgeschwindigkeit der doppelten Framerate zu kommen, bei 24 oder 25 fps wäre das eine Verschlusszeit von 1/50 Sekunde.

Bei der Nachbearbeitung am PC habe ich dann enttäuscht festgestellt: Sobald ich die Tiefen noch etwas hochgezogen habe, hat die Aufnahme sehr schnell angefangen zu rauschen. So viel zum Thema „Amazing Low Light Performance“!

Ich habe inzwischen herausgefunden, dass die Sony a7 Kameras sehr empfindlich auf Unterbelichtung reagieren – dafür aber eine unglaubliche Leistung bei Überbelichtung liefern. Das liegt, wie ich inzwischen weiß am logarithmischen Verlauf der SLOG2 Kurve. Die Lösung heißt also: Überbelichten! So sind die Schatten von Anfang an hell genug (=weniger Rauschen!). Die Höhen kann man sehr weit runter schrauben, ohne dass diese Ausbrennen.

 

Die richtigen Einstellungen für Filmen mit SLOG2

Inzwischen filme ich fast ausschließlich mit SLOG2. Die einzige Ausnahme sind Interviews o.Ä. wo ein Film-Look ausdrücklich nicht erwünscht ist. Hier bietet das Bild ohne Bildprofil eine noch bessere Schärfe.

1.      Einstellen des Video Dateiformats

Ich stelle im ersten Menü-Tab (Kamera) auf der zweiten Seite das Dateiformat auf XAVC S 4K. Die Aufnahmeeinstellungen stelle ich auf 25p 100M.

2.      Einstellen des Crop-Mode

Im zweiten Tab (Zahnrad) stelle ich auf Seite 6 „APS-C / Super 35mm“ auf EIN. Alternativ kann man in den M Modus (Foto) der Kamera wechseln und die „APS-C/Super 35mm“ Einstellung auf AUTO stellen. Damit wechselt die Kamera automatisch im Foto-Modus auf Vollformat, im 4K Video-Modus auf 35mm/Crop und im HD Video Modus auf Vollformat. Die Kamera wählt hier die jeweils optimalen Einstellungen für den jeweiligen Modus, der die beste Bildqualität liefert.

3.      Einstellen des PP7 / SLOG2

Ihr stellt SLOG 2 ein, indem ihm ersten Tab (Kamera) im Menü auf Seite 6 bei „Fotoprofil“ PP7 auswählt. Euch wird auffallen: Eure minimale Einstellung für den ISO Wert ist im SLOG2 Bildprofil 800. Das heißt hier ist es ohne ND-Filter praktisch unmöglich mit der richtigen Verschlusszeit zu filmen, ohne extrem abzublenden.

4.      Vornehmen der richtigen Aufnahmeparameter

Da die alpha 7 Kameras nicht RAW aufnehmen, empfiehlt es sich alle Einstellungen so perfekt wie möglich anzupassen. Damit meine ich hier vor Allem den Weißabgleich. Zwar habe ich festgestellt, dass ein gewisser Spielraum mit SLOG2 möglich ist, ohne dass die Qualität zu sehr leidet, aber je besser eine Sequenz von der Kamera kommt, desto weniger Kopfzerbrechen kann es später geben. Für den Weißabgleich habe ich eine Graukarte, diese benutze ich aber eigentlich fast nie, weil ich auch mit den Voreinstellungen („Tageslicht“, „Bewölkt“, …) Ergebnisse erziele, die mich zufriedenstellen.

Auf was kommt es beim Filmen an?

Ich habe bei meiner Arbeit mit Sony Kameras (a7s2, a7r2) wie anfangs erwähnt festgestellt, dass diese empfindlich auf Unterbelichtung reagieren, mit Überbelichtung aber solide umgehen können. In einem anderen Artikel wird bereits beschrieben, dass man ohne Probleme 3 Blendenstufen überbelichten kann, ohne dass die Bildqualität leidet. Im Gegenteil: Das Rauschen in den Tiefen nimmt ab, und die Details in den Höhen bleiben erhalten.

Das Schlüsselwort heißt also: Überbelichten. Ich benutze dafür zwei Werkzeuge: Das Histogramm und den Belichtungsmesser der Kamera. Da Blende und Verschlusszeit konstant sind, muss ich ND-Filter oder den ISO-Wert zur Anpassung der Belichtung nutzen. Dabei achte ich darauf, dass das Histogramm optimalerweise in etwa so aussieht:

SLOG2 Histogramm

Abbildung 1: Ungefähr dieses Aussehen des Histogramms strebe ich beim Belichten an.

Welche Informationen können wir dem Histogramm entnehmen?

Es ist gut zu sehen, dass die gesamte Information auf einem schmalen Bereich untergebracht ist. Der Umkehrschluss ist, dass wir alle Information noch erhalten haben, da nichts komplett schwarz oder weiß ist (sehr weit links oder rechts im Histogramm). Zusätzlich sieht man, dass der „Berg“ eher auf der rechten Seite als auf der linken ist. Das liegt daran, dass wir überbelichtet und darauf geachtet haben, dass es nicht viele dunklen Stellen im Bild gibt.

Dieses Histogramm ist fast ein Idealfall. Wenn Ihr eine sehr dynamische Szene habt, beispielsweise gegen Das Licht, dann lässt es sich nicht verhindern, dass der „Berg“ ab und an auch mal breiter ist und auch mal nach links ausfächert. Wichtig ist jedoch, dass wir keine Informationen nach oben und vor allem nicht nach unten verlieren. Tatsächlich belichte ich immer so weit (über), dass gerade nichts überbelichtet ist, also das Histogram ganz knapp am rechten Rand endet.

Der Belichtungsmesser der Kamera zeigt mir bei meistens +2 an. Wenn er anfängt zu blinken, heißt das, dass die Szene mehr als 2 Blendenstufen überbelichtet ist. Das macht jedoch nichts, wenn euer Histogramm ungefähr so aussieht, wie das hier gezeigte, und ihr keine Informationen nach oben heraus verliert.

Das ich jedoch eine Szene zu sehr überbelichtet habe, ist mir beim Filmen mit SLOG2 eigentlich noch nicht passiert. Zu dunkle Sequenzen gab es jedoch schon zu Genüge.

Histogramm bei Überbelichtung

Abbildung 2: So sieht es aus, wenn Informationen nach oben abgeschnitten sind. Alles was hier rechts abgeschnitten ist, ist verlorene Information, und nicht wiederherzustellen. So ein Histogramm gilt es zu vermeiden (auch nach links!)

Wenn Ihr mit den korrekten Belichtungseinstellungen filmt, habt Ihr in der Nachbearbeitung den größtmöglichen Spielraum.

In der Nachbearbeitung

Mit den am Ende des Artikels von mir geteilten LUTs, erzielt ihr in der Nachbearbeitung schnell gute Ergebnisse, vorausgesetzt, Ihr habt korrekt belichtet.

Vorerst müsst Ihr die LUTs zum Lumetri Werkzeug bei Premiere hinzufügen. Dafür lege ich die LUTs (diese sind im *.cube Dateiformat) in den Ordner

Adobe Premiere Pro CC 2017/Lumetri/LUTs/Technical

Eine ausführlichere Beschreibung zum Hinzufügen von LUTs zu Premiere findet Ihr hier.

Die LUTs erscheinen jetzt in eurer Lumetri-Farbe Werkzeugleiste in Premiere. Unter Eingabe LUT findet ihr nun die verschiedenen LUTs, unter anderem eben auch die, die ihr eben hinzugefügt habt. Jede LUT ist dabei 4 Mal vorhanden: Für korrekte Belichtung (Zero) und für 1, 2 oder 3 Blendenstufen Überbelichtung. Wählt die LUT aus, die Euren Geschmack am besten trifft.

Ihr werdet feststellen: Manchmal reicht es einfach aus, die LUT auszuwählen. Oft bin ich jetzt schon mit dem Bild zufrieden. Ansonsten nehme ich noch die üblichen Korrekturen vor: Ich verändere bspw. den Kontrast, die Lichter oder die Schatten, oder füge per Teiltonung einen Farbstich hinzu.

Hier ein Beispiel, was man in ca. 30 Sekunden machen kann. Ich habe hier eine der LUTs verwendet in der +1 Einstellung verwendet, und danach die Glanzlichter noch etwas gesenkt, den Kontrast leicht erhöht und einen leichten Orange-Stich hinzugefügt.

SLOG2 Video-Edit