Kaufen oder nicht kaufen? Dos & Donts für Film Equipment

Was braucht man, um gute Filme zu produzieren? Und was spart man sich besser?

Ich filme nun schon seit einigen Jahren, aber richtig wieder damit angefangen habe ich erst Anfang 2016. Ich habe mich dann direkt komplett ausgerüstet und mir alles gekauft, was mir in den Sinn kam, bzw. wovon ich dachte, dass ich ohne keine hochwertigen Videos produzieren kann. Inzwischen habe ich gemerkt: Es muss tatsächlich nicht immer das Teuerste, Beste sein, aber manchmal eben doch.

Ein kurzer Hinweis: Dieser Artikel ist definitiv subjektiv und soll auf keinen Fall Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Ich möchte trotzdem meine Erfahrungen teilen, und hoffe dass ich die eine oder andere Erkenntnis weitergeben kann.

Die Kamera

Als erstes habe ich mir Januar 2016 eine Panasonic GH4 gekauft. Deren Slow-Motion Funktion und das CineLikeD Bildprofil haben mir schon recht gut gefallen. Als ich mir dann aber Mitte 2016 die Sony a7R2 gekauft habe, hab ich praktisch garnicht mehr mit der GH4 gefilmt. Besonders das SLOG2 Bildprofil der a7 war um Welten besser und dynamischer als die Bildprofile der GH4. Auch merke ich einen deutlichen Qualitätsunterschied durch den größeren Sensor. Mein Fazit: Ich kann die Sony a7R2 jedem empfehlen, der Foto und/oder Film macht. Die a7S2 empfehle ich ausschließlich Leuten, die kein Foto, sondern nur Film machen. Die S2 bietet zwar Slog3 und eine etwas höhere Auflösung mit 120 fps, das war’s allerdings schon.

Die Sony a6500 bietet eine sehr kompakte Lösung mit einem sehr guten APS-C Sensor. Ich habe sie auf einem Filmdreh vor Kurzem benutzt und war positiv überrascht. Sie u.A. verfügt ebenfalls über die Bildprofile SLOG2 und SLOG3. Die a6500 ist mit ca. 1.500 € ein gutes Stück günstiger, als die a7R2 oder die a7S2. Hier könnt ihr die a6500 kaufen. Ein kleiner Nachteil der a6500 ist die deutlich schlechtere ISO Performance verglichen mit der a7R2/S2. Bei 3.200 ist mit der 6500 für mich Schluss.

Mit Canon und Nikon Kameras habe ich bislang nicht viel gefilmt, deswegen kann ich dazu leider nicht viele Aussagen treffen. Für mich persönlich sind die DSLRs von Canon und Nikon zum Filmen jedoch weitgehend uninteressant.

a7r2 mit Zeiss Batis 85 / 1,8

Sony a7R2. Liefert im Vergleich mit der a7S2 definitiv das bessere Gesamtpaket ab. Hervorragender Sensor mit unglaublicher Foto- und Videoleistung

Allgemein sind bei der Kamera wichtig: Ein flaches Profil, noch besser ein Log Profil (Der Unterschied ist weniger Kompression in den Höhen und Tiefen bei den Log Profilen), ein großer Sensor (mindestens APS-C, besser noch Vollformat; Je größer der Sensor, desto besser u.A. die ISO Performance. Mit meiner a7R2 kann ich gut und gerne mit ISO 10.000 filmen, ohne mir sorgen machen zu müssen, dass die Footage nicht benutzbar ist.) und gute Objektive (dazu gleich mehr). Eine Slow-Motion Funktion ist außerdem nice-to-have, da sich epische oder emotionale Momente in Zeitlupe einfach noch besser ausdrücken lassen.

In diesem Artikel erkläre ich übrigens, wie Ihr mit dem SLOG2 Profil schnell gute Ergebnisse erzielt.

Fazit: Bei der Kamera besser nicht sparen, sie ist schließlich das Herz Eurer Videoproduktion.

Die Objektive

Hier bin ich persönlich der Meinung, wer eine hochqualitative Kamera hat, sollte nicht an den Objektiven sparen müssen. Wie ich in diesem Artikel beschrieben habe, reichen für Videoproduktionen teilweise aber auch günstige Objektive (Kein Autofokus benötigt). Hier gilt es nicht immer anhand des Preises zu unterscheiden. Folgende Aspekte sind mir bei Objektiven wichtig:

a7R2 mit Sony G-Master 85/1.4

Unglaubliche Bildleistung für Foto und Video: Das Sony G-Master 85mm f1,4 hier an der a7R2.

  • Eine hohe Anfangsblende (bspw. f1.4, f1.8 oder f2.0) -> Dies ist meistens nur bei Festbrennweiten gegeben
  • Eine akzeptable Schärfe. Wer nur filmt (in maximal 4k, wovon ich bei den meisten Lesern ausgehe), bei dem reichen Objektive, die bei 8 Megapixeln (eben ungefähr 4k) scharf sind. Die Canon FD Objektive aus diesem Artikel sind bspw. bei 42MP (8k) sehr unscharf. Bei 4k sehe ich jedoch keinen Unterschied zu Objektiven, die 20 mal so teuer sind.
  • Wenig Verzeichnung. Besonders beim Filmen wirkt Verzeichnung sehr störend. Das Fisheye kann einen manchmal noch gewollten Effekt und somit eine gewisse Ästhetik bringen. Kissenförmige Verzeichnungen (wie sie bspw. das Tamron 25-30mm f2.8 bei 15- ca. 20mm aufweist,) empfinde ich bei Film immer als sehr störend und ablenkend.
  • Wenig chromatische Aberration: Es gibt meiner Meinung nach nur wenige Bildfehler, die so sehr nerven wie die lilanen und grünen Farbsäume, die beiden meisten billigen Objektiven auftreten. Bis zu einer gewissen Stärke sind diese natürlich vertretbar, aber sie können schnell der Qualität des Videos schaden
  • Ein präziser Fokusring: Beispiel Zeiss Batis Serie oder Zeiss Sony 55 f1,8: Die Fokussierung passt sich der Drehgeschwindigkeit an. Dreht man langsamer, wird der Fokusring feinfühliger und der Fokus wechselt langsamer. Damit ist ein langsames gleichmäßiges Fokussieren fast unmöglich. Deswegen bevorzuge ich Objektive mit gleichmäßiger und langläufiger Fokussierung.
Canon FD Objektive mit FD-NEX Adapter

Billiger kann man mit der a7 nicht filmen: Canon FD Objektive sind teilweise für unter 100 € zu haben (bspw. das 50mm 1.4).

Für die a7 empfehle ich vorbehaltlos alle G-Master Objektive für Film, und für das kleine Budget die oben schon genannten Canon FD Objektive. Diese gibt es teilweise für unter 100e zu haben.

Das Zubehör

Besonders hier gilt: Erst denken und testen, dann kaufen (oder es eben sein lassen!). Ich habe den Fehler gemacht und mir sofort alles gekauft, was irgendwie nützlich erschien, nur um teilweise festzustellen, dass ich mir das Geld hätte sparen können.

Steady-Cam / Glide-Cam

Steady-Cams gibt es bei Ebay bereits für ca. 50€ und meine Steady-Cam ist immer dabei. Sie ist wirklich handlich, klein und leicht und mit ein bisschen Übung gelingen wirklich tolle Aufnahmen damit. Wäre eines der ersten Equipment-Objekte die ich mir zulegen würde. Preis-Leistung ist top, billiger bekommt ihr kein stabiles Bild. Nachteil der kleinen Steady-Cams ist, dass sie natürlich nicht so viel Gewicht tragen können (so 2-4 kg). Wenn Ihr eure Kamera aber nicht mit allem möglichen Unsinn vollgepackt habt, dann reicht das vollkommen.

dji Ronin / Gimbal

dji Ronin

Eine 50€ Steady-Cam schafft fast alles, was man (alleine) mit einer Ronin (1.500€ +) hinbekommt.

Die Ronin habe ich mir damals fast als erstes gekauft. Meine Meinung jetzt: Wäre nicht nötig gewesen. Ich benutze die Ronin vielleicht alle 3 Monate einmal, ich hab sie oft dabei, hab aber dann letztendlich eigentlich nie Bock sie aufzubauen, zu Kalibrieren usw. Was mich bei der Ronin am meisten gestört hat ist, dass man sie nicht mal kurz abstellen kann, weil man dazu ja den Ständer braucht. Und das Ding ist schon nach 3 Minuten wirklich schwer (und ich bin kein Kerl der schmalen Sorte, die auf der Bank keine 70kg drücken). Zusätzlich lohnt sich die Ronin eigentlich nur dann richtig, wenn man noch weiteres Equipment und einen zweiten Operator hat. Somit bräuchte man noch:

  • Eine(n) zweite(n) Kerl (Kerlin 😉 ), der auch bezahlt werden muss
  • Einen Follow Focus (ab ca. 1.000 €)
  • Eine drahtlose Bildübertragung (ab ca. 1.500 €)
  • Einen externen Bildschirm, am besten Zwei, damit beide (Steuerer und Halter) etwas sehen (400 € +)
  • Ein Easy-Rig (Das ist so eine Art Rucksack, an dem man die Ronin aufhängen kann, dann muss man nicht das ganze Gewicht schleppen) wäre ebenfalls gut (ca. 2.000 €)

Fazit: Spart Euch das Geld, kauft Euch lieber andere Sachen dafür

Computer

Kurz und knackig: Premiere bietet inzwischen die Möglichkeit an, während der Bearbeitung mit Proxies zu arbeiten. Das sind komprimierte Kopien eurer Videoclips. Damit brau